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Fahrzeug Berichte

VW Bus mit Porsche Motor

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Eilige Besserverdiener mit erhöhtem Platzbedarf sind nicht zu beneiden: Sie werden im offiziellen Angebot der Hersteller kaum fündig - glaubt zumindest Sven Thomsen aus Berlin. Selbst geräumige Geländewagen wie Porsche Cayenne Turbo, Mercedes ML 63 AMG oder VW Touareg W12 sind zwar schnell genug, aber für Familie mit Kindern, Haustieren und Tonnen von Urlaubsgepäck immer noch zu eng.



Thomsen hat das am eigenen Leib erfahren und den VW Bus als beinahe ideales Gefährt entdeckt. Nur: Der ist alles, aber nicht sportlich. Bei VW ist im aktuellen Bus-Modell T5 mit dem 3,2 Liter grossen, 235 PS starken und 205 km/h schnellen V6-Motor das Ende der Rasanz erreicht. Dem Durchschnittsmann mag das genügen; einem ehemaligen Ferrari-Fahrer ist das zu fad.



Also bestellte Thomsen ein Auto vom Tuner, war aber angesichts der ewigen Macken bitter enttäuscht. "Das geht besser", sagte er sich. Und weil er ohnehin eine neue berufliche Herausforderung suchte, ging er gleich ans Werk. Zwei Jahre lang tüftelte, entwickelte, rechnete er - jetzt stellt er vor den Toren Köpenicks den nach eigenen Angaben "schnellsten Serienbus der Welt" auf die Räder.

Thomsen setzt für das Gefährt auf einen komplett neuen Antriebsstrang und bedient sich dabei einer Firma mit unzweifelhafter Reputation: Porsche. Er nimmt den 3,6 Liter großen Boxermotor des Porsche Turbo, vorletzte Generation. Dieses gebrauchte, aber generalüberholte und per wassergekühltem Ladeluftkühler auf etwa 450 PS getunte Kraftwerk pflanzt er ins Heck seiner Busse.

Für den neuen Motor muss Thomsen kräftig umbauen. Im Heck wird ein neuer Motorraum eingerichtet, der zunächst mit Originalteilen aus Stuttgart gekapselt und dann schallschluckend verkleidet wird, bevor es eine neue Befestigung für die hinteren Sitze gibt.

Die Busse, die Thomsen aufmotzt, sind zumeist T4 und T5, seltener verwendet Thomsen einen selbst entworfenen, um 50 Zentimeter gestreckten Luxus-Pick-Up mit Doppelkabine und Teakholzpritsche. Dazu gibt es - ebenfalls von Porsche - den Heck- oder Allradantrieb und aus Holland eine Luftfederung.



Jedes Modell erfordert etwa drei Monate Handarbeit eines Sechs-Mann-Teams - und das lässt sich diesen Aufwand stattlich bezahlen: Pro Umbau verlangt Thomsen mindestens 145.000 Euro ohne Grundfahrzeug. Für einen Pick-Up inklusive Basismodell wandern knapp 170.000 Euro über die Theke.

Doch dafür können sich die Fahrleistungen sehen lassen. Obwohl der VW mit der furchteinflössenden Designerfront kaum windschnittiger ist als ein Übersee-Container, beschleunigt er binnen 5,1 Sekunden auf Tempo 100. "Schluss ist erst jenseits der 270 km/h", verspricht der Entwickler, der nach dem Messedebüt seiner Wagen bei der IAA in Frankfurt bereits das erste halbe Dutzend verkaufte.

Übrigens: Mit der Motor-Transplantation ist es noch nicht getan: Thomsen, der Van-Sinnige, baut in seine Autos auch ein Schaltgetriebe und die gesamte Elektronik von Porsche ein - vom Kombiinstrument bis zur Wegfahrsperre. "Wer am Steuer sitzt, schaut deshalb nicht auf einen Transporter-Tacho, sondern auf das Analog-Anzeigen-Ensemble aus dem Porsche 911", sagt Thomsen - und kramt den Autoschlüssel aus der Tasche hervor. Nicht den klobigen Würfel aus Wolfsburg, sondern das Teil von Porsche, natürlich.



Dazu kommen dutzende Kleinigkeiten, die man erst auf den zweiten Blick sieht. Weil der Kofferraumboden aufgrund des Heckmotors sehr viel höher liegt, braucht der T5 hinten einen neuen Stossfänger und eine kürzere Heckklappe. Weil Thomsen den Tank in den einstigen Motorraum verlegt, müssen Einstieg und Tür auf der Fahrerseite umgebaut werden. Ausserdem bekommt der Renn-Van eine verstärkte Brembo-Bremsanlage mit zusammen zehn Kolben und Bremsscheiben so gross wie Tortenplatten. Dazu gibt's eine neue Hinterachse, weil die von Porsche das Gewicht nicht trägt.



Je nach Budget und Bedarf baut Thomsen die üblichen Spielereien aus der Welt der Reichen und Schönen in seine Vans: Leichtmetallfelgen mit eingeprägtem Namenszug, handvernähtes Leder, Carbon- oder Klavierlack sind ebenso erhältlich wie große TV-Monitore. Der Clou ist aber die Rückfahrkamera, die hinter dem grossen VW-Logo an der Heckklappe versteckt ist. Wenn man den Rückwärtsgang einlegt, schwingt das Emblem auf, und das Videoauge lugt heraus.

Natürlich klingt die Kreuzung aus VW-Bus und Porsche 911 exotisch, und mehr als zehn Autos wird es davon pro Jahr wohl auch nicht geben. Doch so weit hergeholt ist die Idee nicht – schliesslich gehen beide Autos auf den Urvater des Käfers - und damit auf Ferdinand Porsche - zurück. Der Heckmotor im VW-Bus war bis vor zwei Generationen ohnehin noch Standard. Nicht nur weil Porsche heute den einzig geeigneten Heckmotor hat, passen die beiden Extreme nach Thomsens Ansicht unter einen Hut.

Für den Entwickler findet nur wieder zusammen, was schon immer zusammen gehörte.

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