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Welt der VW Szene

Teil 10: 60 Jahre VW in der Schweiz

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Am 29. April 2008 jährte sich die Unterzeichnung des Importvertrages zwischen Volkswagen und der AMAG für die Schweiz zum 60sten Mal. Über Jahre hinweg beherrschte damals der legendäre Käfer die Zulassungsstatistiken und unser Strassenbild. In den siebziger Jahren setzte der Golf diesen Trend bis heute erfolgreich fort. In den vergangenen 60 Jahren konnten rund 1,7 Millionen VW in die Schweiz importiert werden.

Niemand hätte damals gedacht, dass 1946 – nur ein Jahr nach Kriegsende – bereits wieder VW Käfer vom Band rollen. Das Volkswagen-Werk war schwer beschädigt und VW unterstand damals der britischen Besatzungsmacht. Zunächst lediglich für den Eigenbedarf bestimmt, sahen die Engländer im unverwüstlichen VW Käfer erhebliche Exportmöglichkeiten. Auch AMAG-Firmengründer Walter Haefner erkannte das grosse Potential des kleinen Volkswagens und trat in Verbindung mit dem VW-Werk – mit Erfolg.



Die AMAG gewann das Rennen um den Import:

Am 29. April 1948 unterzeichnete Walter Haefner in Wolfsburg den Importvertrag für Volkswagen. Als Haefner den Vertrag unterzeichnete, war die Schweiz, nach Holland und Belgien, der dritte Exportmarkt für das von Prof. Ferdinand Porsche von 1934-1939 entwickelte Auto.

Es erstaunt nicht, dass zahlreiche Firmen versuchten, das Rennen um den Import des Volkswagens zu gewinnen: Früh war absehbar, dass in der Schweiz eine grosse Nachfrage nach neuen Autos einsetzen würde. Und ebenso sicher war man, im VW Käfer das ideale Auto für das gebirgige Land gefunden zu haben. Der Käfer erwartete in der Schweiz also fruchtbaren Boden und ihm war längst ein legendärer Ruf vorausgeeilt. Mit Interesse hatte man die Entwicklung, die revolutionäre Konstruktion mit luftgekühltem Heckmotor, Plattformrahmen und strömungs-günstiger Vollstahlkarosserie verfolgt. Ein Slogan war besonders treffend und machte den Vorteil des luftgekühlten Motors des VW Käfer deutlich: „Luft kocht nicht, Luft gefriert nicht“.



Dass die AMAG den Zuschlag erhielt, war nicht nur das Resultat grossen Verhandlungsgeschicks: Zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung 1948 mit VW war die AMAG bereits zweitgrösster Automobilimporteur der Schweiz. Noch vor Kriegsende, am 3. Januar 1945, übernahm Walter Haefner die AMAG aus einer Konkursmasse und begann diese auf den Nachkriegsbedarf umzustellen. Ab Ende 1945 importierte die „Neue AMAG Automobil- und Motoren AG“ englische Autos der Marke Standard. 1947 wurde bereits der 1’000ste Neuwagen geliefert. Ab Ende 1946 ergänzte die AMAG ihr Angebot mit dem Import und Vertrieb der amerikanischen Marke Chrysler. Es stand fest: Die AMAG bot die besten Voraussetzungen für den Import des VW Käfer.


Als Autos den Import noch selber fuhren:

So gut die Voraussetzungen auch waren, die Logistik war noch in ihren Anfängen: Anfang Mai 1948 rollte, über leere deutsche Autobahnen, das erste Kontingent von 25 VW Käfer von Wolfsburg über Frankfurt an die Landesgrenze bei Lörrach – auf den eigenen vier Rädern. Auf der Schweizerseite des Grenzzaunes warteten bereits die ersten Händler auf die Abfertigung der mausgrau oder schwarz gespritzten Volkswagen. Auch die Verrechnung der Fahrzeuge war abenteuerlich: Nach der Verzollung zahlten die Händler ihr Auto in bar, um es anschliessend nach Hause zu fahren und den ersten Kunden abzuliefern!

Nur wenig später konnten die Käfer auch auf dem Bahnweg importiert werden. Von Anfang Mai bis Dezember 1948 rollte so eine stolze Zahl von 1'380 Käfern in die Schweiz – in nur acht Monaten mehr als von jeder anderer Marke während eines vollen Jahres.



Der Käfer hielt, was er versprach:

Der Siegeszug des Volkswagens in der Schweiz basierte auf einer robusten, wirtschaftsfreundlichen Technik, hoher Qualität, völlig neuen Serviceleistungen und einem dichten Vertreternetz, das höchsten Ansprüchen zu genügen hatte. Lange Jahre war der VW Käfer der weitaus meist gefahrene Automobiltyp in der Schweiz. Dabei gab die Verbindung von Qualität, Preis und Service den Ausschlag. Dank zunehmendem Bruttosozialprodukt und dem VW Käfer konnten immer mehr Schweizer Automobilisten werden.



Der erste Transporter:

Ab 1950 kam zum Käfer der legendär gewordene VW Transporter hinzu. Auch hier wiederholte sich das Phänomen VW: Sehr rasch erwiesen sich diese leichten Nutzfahrzeuge, die als Kasten- und Pritschenwagen sowie als Kleinbus lieferbar waren, als ideale und kostengünstige Autos. Sehr schnell waren die VW Transporter auch in unserem Land eindeutige Marktleader.


VW prägt das Strassenbild der Schweiz – schon damals:

Wer heute Fotos aus den Fünfzigerjahren betrachtet, stellt fest: Egal, ob in Städten, auf Passstrassen oder an den Ufern der Seen – ein Auto sieht man immer wieder: Den VW Käfer. Oft stehen Dutzende von Käfern an den schönsten Promenaden der Schweiz.

Der optische Eindruck täuscht nicht. Schon 1954 erreichte VW – mit nur einem Modell! – einen Marktanteil von 30 Prozent. Später stieg diese Zahl auf bis zu 35 Prozent an. Die Beliebtheit des Volkswagens wird umso deutlicher, wenn man bedenkt, dass in der Schweiz praktisch alle Automobilhersteller vertreten waren. Die Schweiz war zu dieser Zeit der offenste Markt überhaupt und die Marken kämpften mit zahlreichen Modellen um die Gunst des Publikums. Gewonnen hat diese meist der Käfer in seiner Exportausführung mit Chromschmuck und luxuriösem Innenraum – ein Modell, das über 10 Jahre lang die dominierende Rolle spielen sollte. Bis 1954 schliesslich erstmals mehr als 10'000 Fahrzeuge pro Jahr verkauft wurden.



Volkswagen baute in der Schweiz:

Im August 1955 stellte Volkswagen den Karmann Ghia vor. Ein elegantes Coupé mit der unverwüstlichen Käfertechnik unter dem Blech. Auch der Erfolg dieses Modell war enorm. Schnell waren die Produktionskapazitäten erschöpft und Alternativen wurden gesucht. Gefunden hat man diese bei der AMAG in Schinznach-Bad. Seit 1949 wurden im kleinen Aargauer Dorf englische und vor allem amerikanische Fahrzeuge montiert – in bester Schweizer Qualität. Was lag näher, als auch einen Teil der Karmann-Produktion in die Schweiz zu holen, um zumindest die lokale Nachfrage etwas besser bedienen zu können? So wurden im Zeitraum 1957 bis 1960 insgesamt 1’098 Karmann Ghia bei der AMAG gebaut.



Ersatzteilversorgung für Erfolg notwendig:

Die verkauften Autos wollten auch gewartet werden, immer mehr Ersatzteile wurden gebraucht. So wurde der Bau – und der stetige Weiterausbau – des AMAG Zentralersatzteillagers in Buchs bei Zürich zu einem weiteren Erfolgsfaktor für die AMAG.
Diese 1957 eröffnete Anlage verdoppelte die Kapazität gegenüber den zu klein gewordenen Einrichtungen in Schinznach-Bad. Noch heute ist das Lager in Buchs die grösste Anlage ihrer Art in der Schweiz. Eben erst konnten in Buchs ein modernes vollautomatisiertes Kleinteile- und ein neues Hochregallager in Betrieb genommen werden. Auf 40'000 m2 Fläche lagern 150'000 Originalteile und über 20'000 Accessoires.
550 Mitarbeiter sorgen dafür, dass täglich bis zu 14’500 Positionen mit einem Volumen von ca. 50 Tonnen das Lager fristgerecht verlassen. Heute wie damals ist die Ersatzteilversorgung Garant für den legendären VW-Service.



Der Variant machte die Schweiz zum Kombiland:

Mit steigendem Wohlstand stellte der Schweizer auch immer höhere Ansprüche an sein Auto. Er brauchte mehr Platz und wollte eine repräsentative Form. Rechtzeitig kam daher 1961 der VW 1500 auf den Markt. Er hatte das gleiche Konstruktionsprinzip wie der Käfer, denselben Radstand und einen leicht vergrösserten, vom Käfer abgeleiteten Motor im Heck. Die Karosserie war völlig neu geformt, bot vier Erwachsenen reichlich Platz und hatte zwei Kofferräume. Ein Jahr später, 1962, kam die Kombiversion, die ihrer Variabilität wegen „Variant“ genannt wurde. Damit begann eine lange Tradition, die auch heute ihre Fortsetzung findet. Volkswagen machte die Schweiz zum Kombiland.



Der Golf – Nachfolger des Käfers:

Der Käfer blieb über viele Jahre das meistverkaufte Auto der Schweiz – ein Rekord jagte den anderen. Höhepunkt war das Jahr 1961, als 21'111 Einheiten verkauft werden konnten. Ende der 60 Jahre wurden noch immer über 19'000 Käfer verkauft. Im Mai 1969 rollte der 250’000ste Käfer in die Schweiz. 1970 waren es noch über 17'000 Einheiten. Doch dann nahmen die Stückzahlen rapide ab, moderne Fahrzeuge der Konkurrenz machten dem Käfer das Leben schwer. Der Käfer aber trotzte der Zeit: Am 17. Februar 1972 wurde der 15'007’034ste Käfer gebaut – der legendäre Ford T wurde überholt, kein anderes Auto war zuvor in dieser enormen Stückzahl produziert worden. Damit war der Käfer Weltmeister!

Doch die Zeit war reif für ein gänzlich neues Modell, das die Käfer-Nachfolge antreten sollte. So begann 1973 die neue Ausrichtung von Volkswagen. Der Passat wurde vorgestellt und war ganz auf der Höhe der Zeit: Frontmotor, Wasserkühlung und Frontantrieb. Kurz darauf folgte als weiterer Vorbote der Zukunft ein attraktives Sportcoupé – der Scirocco. 1974 erschien dann der lang erwartete Nachfolger des Käfers, der ein schweres Erbe anzutreten hatte: Der Golf. Auch er hatte Frontantrieb, Frontmotor mit Wasserkühlung und eine grosse Heckklappe.

Der Golf trat sein Erbe mit Bravour an und wurde zum beliebtesten Automodell des Schweizers – daran hat sich bis heute nichts geändert. Kurz nach dem Golf präsentierte Volkswagen mit dem Polo den ersten Kleinwagen. Mit dem VW LT wurde auch das Nutzfahrzeugprogramm von Volkswagen weiter ausgebaut.

Am 31. März 1983 endete das erste, erfolgreiche Kapitel der Schweizer VW-Geschichte: Der letzte Käfer konnte seinem Käufer übergeben werden. Danach wurde der Import dieses legendären Autos nach 320'637 Fahrzeugen eingestellt. Im gleichen Jahr knüpfte die zweite Golf-Generation nahtlos an diesen Erfolg an. Die weitere Geschichte des VW Golf zeigt fantastische Zahlen: 1988 konnte der 250’000ste Golf in der Schweiz gefeiert werden, 1989 war der Millionste seit 1948 verkaufte Volkswagen ein VW Golf und 2004 war die halbe Million komplett, der 500’000ste VW Golf gelangte in die Schweiz, ein einmaliger Rekord!



Vom Volkswagen für alle zu vielen Volkswagen für jeden:

Heute umfasst die VW Modellpalette in der Schweiz über 20 Grundmodelle: Fox, Polo, Golf, Golf Plus, Golf Variant, Jetta, New Beetle, New Beetle Cabriolet, Eos, Passat, Passat Variant, Passat CC, Touran, Tiguan, Sharan, Touareg und Phaeton sowie die Nutzfahrzeuge Caddy, Caddy Maxi, T5 und Crafter in den verschiedensten Ausführungen. Im Herbst startet der neue Scirocco und im Laufe der nächsten Jahre werden weitere zusätzliche Modelle die Angebotspalette deutlich erweitern.

Insgesamt importierte die AMAG in den vergangenen 60 Jahren gegen 1,7 Millionen VW und VW Nutzfahrzeuge. Davon sind heute noch rund 550'000 in der Schweiz zugelassen. Die AMAG und eine grosse Handelsorganisation waren es, die VW in der Schweiz zu dem machte, was die Marke heute ist: Das Auto.


 

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