Fahrzeug Berichte
In Südfrankreich herrscht bereits Cabriolet-Wetter. Milde 20 Grad und eine der schönsten Küstenstrassen Europas sind die perfekten Voraussetzungen, um den neuen offenen Audi A3 schon bei seiner Präsentation einem seiner künftigen Widersacher gegenüberzustellen – dem überaus erfolgreichen VW Eos.

Es fällt kaum auf, dass beide Cabrios die gleiche Bodengruppe nutzen. Sowohl der neue Audi als auch der Bestseller unter den kompakten Offenen, der Eos, basieren auf dem aktuellen VW Golf. Äusserlich zeigen sie jedoch keine Parallelen. Audi und VW gehen eigene Wege, auch beim Verdeck: Knappe Stoffmütze beim A3 gegen opulentes Stahl-Klappdach beim Eos – welche Lösung ist die bessere? Wir haben mit den 140-PS-Diesel-Varianten des Audi A3 Cabriolet und des VW Eos eine sonnige Vergleichsfahrt gemacht.

Noch ist es früh, und die Temperaturen auf der Route des Crêtes nahe Marseille liegen unter zehn Grad. Dennoch, Cabrios sind zum Offenfahren da. Also runter mit den Dächern. Während der Audi seine dreilagige Stoffmütze, das Akustikverdeck für 750 Euro Aufpreis, in nur neun Sekunden komplett hinter den Fondsitzen verstaut hat und startklar ist, braucht der Eos langwierige 16 Sekunden mehr. Allerdings ist es jedesmal wieder eine Show, wie viele Gelenke, Hebel, Blech- und Glasteile der Mechanismus in Bewegung setzt, bevor das Dach sich unter der nach hinten geöffneten Kofferraumklappe zusammenfaltet. Dafür kann der Frischluft-Fan, wenn er nicht ganz oben ohne fahren möchte, das vordere Glasteil als Schiebedach nutzen – einzigartig in dieser Klasse.

Bei voll versenktem Dach passen nur noch magere 205 Liter in den Gepäckraum des Eos. Zudem reduziert sich dann die Ladeöffnung so stark, dass es besser ist, mehrere kleine Taschen zu nutzen als einen sperrigen Koffer. Der Audi kann das besser: Klappe auf, Koffer rein. Bis zu 260 Liter passen jederzeit ins Heck des A3 – egal, ob das Verdeck offen oder geschlossen ist. Zudem bietet nur der Ingolstädter umklappbare Rücksitzlehnen, wodurch sich der Laderaum auf 1,5 Meter verlängern und auf 674 Liter vergrössern lässt.

Im Innenraum sind die Grössenunterschiede geringer als erwartet. VW und Audi haben sehr lange Dächer; das des A3 (218 Zentimeter) ist sogar länger als das des A4 Cabrios (199 Zentimeter). Dadurch fallen die Windschutzscheiben relativ steil und kurz aus. Ergebnis: echtes Cabrio-Feeling. Mit hochgefahrenen Seitenscheiben, aufgestelltem Windschott (Audi: 280 Euro; VW: 300 Euro) und dem warmen Luftstrom der Heizungsanlage ist das auch bei niedrigen Temperaturen ein Genuss.

Das Thermometer klettert jedoch stetig nach oben. A3 und Eos wetzen über die kurvigen Küstenstrassen an der Cotê dAzur. Beide schöpfen ihre 140 PS aus einem Zweiliter-Turbodiesel. Dabei darf der Audi A3 bereits das neue Common-Rail-Aggregat des Konzerns nutzen, während der Eos noch mit dem bekannten Pumpe-Düse-Triebwerk unterwegs ist.

Und der Audi fährt gut damit. Sehr kultiviert geht der wie im Eos quer eingebaute Vierzylinder zur Sache. Vor allem seine ausgesprochene Drehfreude begeistert. Erst bei 5000 Umdrehungen setzt der Drehzahlbegrenzer dem Turbodiesel das Limit. Über den ganzen Drehzahlbereich reagiert der Motor sehr spontan auf Gasbefehle. Tempo 100 erreicht der A3 aus dem Stand bereits nach 9,7 Sekunden. Obwohl der VW Eos nur gut 70 Kilogramm mehr wiegt und seine Kraft über das gleiche Getriebe an die Vorderachse leitet, benötigt er 0,6 Sekunden mehr. Wegen des schmaler nutzbaren Drehzahlbandes des Pumpe-Düse-Turbodiesels im Eos muss der Fahrer häufiger zum Schalthebel greifen und den passenden Anschluss suchen.

Das schlägt sich an der Tankstelle nieder. Mit einem Normverbrauch von 5,3 Litern Dieselkraftstoff auf 100 Kilometer geht der Audi äusserst bescheiden mit den Öl-Ressourcen um. Wirklich verschwenderisch ist auch der Eos nicht. Dennoch genehmigt er sich mit durchschnittlich 6,0 Liter/100 km einen Schluck mehr aus dem Tank. Nicht zu vernachlässigen sind die besseren Emissionswerte des neuen A3 2.0 TDI. Der Audi entlässt nur 139 g/km schädliches CO2 in die Atmosphäre. Beim VW sind es 158 g/km. Partikelfilter? Im Audi wie auch im VW serienmässig. Cabriofahren mit gutem Umweltgewissen macht doppelt so viel Spass. Und den hat man in beiden.

Zwar sind die Fahrwerkskonstruktionen nahezu identisch, aber Unterschiede gibt es dennoch. So wirken sich die kürzeren Überhänge und das geringere Gewicht zu Gunsten des straffer abgestimmten Audi aus. Er bringt seine Kraft auch aus engen Kehren heraus ohne grosse Traktionsverluste über die Vorderräder auf den Asphalt. Dabei profitiert er natürlich von den aufpreispflichtigen 17-Zoll-Rädern mit breiter 225er-Bereifung (920 Euro). Wechselkurven durcheilt das flinke A3 Cabrio absolut narrensicher. Lastwechselreaktionen, hervorgerufen durch Gaswegnahme in Kurven oder schnelle Ausweichmanöver, sind ihm fremd. Sicher ist auch der Eos unterwegs, nur drängt sein längeres und schwereres Heck im direkten Vergleich stärker nach aussen.

Allerdings eignen sich beide Konzernbrüder auch hervorragend zum Cruisen unter freiem Himmel. Auf welligen Landstrassen spielt der Wolfsburger dabei seinen besseren Federungskomfort aus. Er nimmt Schlaglöcher und Querfugen eine Spur gelassener als der strammer darauf reagierende Ingolstädter. A3 und Eos liefern sich ein enges Rennen um die Pole-Position des besten kompakten Cabrios im VW-Konzern. Beim Preis sind die Unterschiede geringer als vermutet. Mit 29900 Euro kostet der Audi sogar gut 1000 Euro weniger als der Volkswagen. Allerdings muss der zukünftige Audi-Eigner die Klimaanlage gesondert bezahlen. Kostenpunkt: 1425 Euro.

Fazit: Das erste Aufeinandertreffen fällt unentschieden aus. Erst ein umfangreicher Vergleichstest wird zeigen, ob das neue A3 Cabriolet das Zeug zum Klassenprimus hat. Die Chancen dafür stehen jedenfalls gut. Quelle: Auto Zeitung Text: Michael Godde
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